Das Dalmatiner/Pointer Rückkreuzungs Projekt

Die Überwindung der Vorurteile über Rassenkreuzung im 20. Jahrhundert

Von Denise Powell, Übersetzung ins Deutsche von Melissa Glasner

Im Juli 2011 verkündete der AKC, dass Nachkommen einer Dalmatiner/Pointer Verpaarung im Jahre 1973 als Dalmatiner registriert werden würden.

Der ursprüngliche Antrag auf Eintragung der Nachkommen dieser Kreuzungs-Verpaarung wurde 1980 gestellt. Die Tatsache, dass es 30 Jahre gedauert hat diese Angelegenheit zu klären, hatte mit veränderter Haltung bzw. Einstellung in Bezug auf Rassenkreuzung zu tun.

Bis Mitte des 20. Jahrhunderts zögerten Hundezüchter nicht davor, Rassen zu kreuzen, um ein wünschenswertes Merkmal in etablierte Rassen einzukreuzen, bei denen diese Merkmale fehlten. Nachkommen solcher Kreuzungen wurden generell ab der dritten Rückkreuzungs-Generation als reinrassig registriert. Über eine Spanne von 50-60 Jahren hinweg fiel die alterwürdige Praxis der Rassenkreuzung jedoch in Ungnade. Die Einstellungen gegenüber der Rassenkreuzungen änderte sich in dem Ausmaß, dass schon der Gedanke an Rassenkreuzung unter den meisten Züchtern reinrassiger Hunde als Ketzerei galt. Aus diesem Grund ist es nicht verwunderlich, dass viele Dalmatinerliebhaber die Registrierung der Nachkommen des Dalmatiner/Pointer Rückkreuzungs-Projekts, welches 1973 seinen Anfang nahm, ablehnten.

Als der Genetiker und Dalmatinerzüchter Robert Schaible, PhD sein Projekt startete, war bereits bekannt:

  • Dass die Rasse des Dalmatiners eine Stoffwechselstörung hatte, die eine abnorm hohe Konzentration von Harnsäure im Urin bewirkte – ein Zustand, der als Hyperurikosurie (HU) bekannt ist.
  • HU war ein ernstes Problem, da Hunde mit dieser Erkrankung anfällig für Harnstauung sind.
  • Weltweit alle Dalmatiner, die jemals getestet wurden, hatten HU.
  • HU ist bei anderen Hunderassen selten.
  • HU wird einfach autosomal-rezessiv vererbt.
  • Hunde mit HU können durch eine Urinanalyse identifiziert werden.
  • Rassenkreuzung kann verwendet werden, um eine wünschenswerte Eigenschaft von einer Rasse auf eine andere zu übertragen.
  • Die einzige Möglichkeit, Dalmatiner ohne HU zu züchten, besteht aus der Einkreuzung eines Hundes einer anderen Rasse, welche kein HU trägt.

Das Dalmatiner/Pointer Rückkreuzungs Projekt (Backcross Project) basiert auf einer einzigen Kreuzungs-Verpaarung. Dr. Schaible brauchte sieben Jahre und fünf Generationen von Rückkreuzungen auf Dalmatiner, um den korrekten Rassetyp wieder herzustellen. Als er diesen Punkt 1980 erreichte, beantragte er die Registrierung beim AKC. Der AKC verbrachte mehrere Monate damit, das Projekt zu prüfen und sich mit dem Vorstand des Amerikanischen Dalmatiner Clubs (Dalmatian Club of America) zu beraten, bevor er die Hunde von Dr. Schaible als Dalmatiner registrierte.

Die Nachricht der Registrierung von Dr. Schaible’s Hunden wurde als bemerkenswert genug angesehen, um einen mehrseitigen Artikel in der April 1981-Ausgabe der Vereins-Zeitschrift des AKC zu verdienen. In einem Vorwort zu dem Artikel schrieb AKC Präsident William F. Stifel: “Wenn es einen sinnvollen, wissenschaftlichen Weg gibt, ein genetisches Gesundheitsproblem zu korrigieren, welches mit einem bestimmten Rassemerkmal in Zusammenhang steht und dabei noch die Einhaltung des Rassestandards gewährt wird, obliegt es dem American Kennel Club, den Weg zu weisen.”

Der Artikel löste eine Kontroverse aus, deren Klärung 30 Jahre dauerte. Kurz nach Erscheinen des Artikels drängten Dalmatinerzüchter den AKC dazu, jede weitere Registrierung von Nachkommen Dr. Schaibles Rückkreuzung Projektes zurückzustellen. Die Sperre führte dazu, dass zwischen 1981-2011 kein Dalmatiner mit niedriger Harnsäure (LUA) beim AKC registriert wurde – LUA Dalmatiner wurden in dieser Zeit im United Kennel Club (UKC) registriert und gezüchtet.

Die Sperre wäre wohl noch immer gegenwärtig und LUA Dalmatiner wären vielleicht nicht mehr als eine Fußnote in der Geschichte der Dalmatinerzucht, wenn Forscher an der UC Davis (University of California Davis), angeleitet von Danika Bannasch, PhD, DVM nicht die Genmutation identifiziert hätten, die HU verursacht. Dr. Bannaschs Forschung veranlasste den Dalmatiner Club of America einen neuen Blick auf Dr. Schaible’s Projekt zu werfen.

Einen DNA-Test zu haben, um erkennen zu können, welche LUA Dalmatiner homozygot für das normale Gen und welche heterozygote Träger des Defekts waren, eliminierte die Notwendigkeit von Test-Verpaarungen zur Festzustellung, ob ein LUA Dalmatiner frei von HU war. In der Vergangenheit war es unattraktiv für die meisten Dalmatinerzüchter geworden, mehrere Welpen eines Wurfes aufzuziehen und Testverpaarungen durchzuführen, um feststellen zu können, welche Träger und welche frei waren.

  • Im Jahr 2006 wurde Dr. Schaible zu einem Vortrag beim Vorstand des Dalmatian Club of America eingeladen.
  • Im Jahr 2007 war Dr. Bannash der Hauptredner beim jährlichen Bildungs-Seminar des DCA (“DCA’s annual educational seminar”), welches an die “National Specialty” angeschlossen war.
  • Im Jahr 2008 wurden Besitzer von Lua-Dalmatinern eingeladen, ihre Dalmatiner zur “DCA National” mit zu bringen. Nach dem erfolgten Tages-Richten wurden zehn LUA Dalmatiner gemeinsam vorgestellt. Drei Tage lang wechselten sich Besitzer von LUA Dalmatinern ab, an einem “Lernen Sie die LUA Dalmatiner kennen”-Stand Fragen zu beantworten, Informationsmaterial heraus zu geben und den Clubmitgliedern die Möglichkeit zu geben, die Hunde vor Ort begutachten zu können.
  • 2009 stellten Befürworter von LUA Dalmatinern einen formalen Antrag beim AKC, die Sperre aufzuheben, welche die Registrierung verhinderte. Der AKC übertrug die Angelegenheit ihrem Ausschuß für Gesundheit und Wohlfahrt, dem “Health and Welfare Advisory Committee”.
  • Nach Erhalt des Berichtes des Gesundheits und Wohlfahrts Beratungsausschusses beriet sich der AKC Vorstand im Jahr 2010 mit dem DCA (Dalmatiner Club von Amerika) und forderten vom diesem eine Abstimmung bezüglich der Registrierungs-Frage unter den Mitgliedern.
  • Im Juni 2011 wählte eine große Mehrheit der Mitglieder des DCA (Dalmatian Club of America) zugunsten einer Registrierung der Nachkommen des Dalmatiner-Pointer Rückkreuzungs-Projekts.
  • m Juli 2011 wurde von den AKC Vorstandsmitgliedern einstimmig beschlossen, die Nachkommen des Dalmatiner-Pointer Rückkreuzungs-Projekts im AKC Zuchtbuch aufzunehmen.

Am Ende hat eine im 19. Jahrhundert praktizierte Rassenkreuzung, um der Rasse ein fehlendes Merkmal wieder zuzuführen, in Kombination mit einem DNA Test des 21. Jahrhunderts, den Dalmatiner-Züchtern der Weg geebnet und es ihnen ermöglicht, ein schwerwiegendes Gesundheitsproblem in der Rasse zu eliminieren.

Das Dalmatiner-Pointer Rückkreuzungs-Projekt kann nun anderen Rassen als Leitbild und Vorlage dienen, die mit Problemen konfrontiert sind, welche nicht effektiv durch selektive Zucht innerhalb des vorhandenen Gen-Pools behoben werden können.

LUA Dalmatian Selia